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Zurück ins Arbeitsleben – Hilfen für Menschen mit psychischen Erkrankungen

Wie können psychisch erkrankte Menschen geeignete Arbeit finden und welche Wege und Hilfen gibt es– trotz einer solchen Krankheit – wieder am Arbeitsleben teilzunehmen? – Um diese Fragen ging es bei der mit über 80 Experten gut besuchten Fachtagung „BRÜCKE(n) in Arbeit und Beruf“, die in dieser Woche in Lübeck stattfand. Veranstaltet wurde die Tagung von der gemeinnützigen Einrichtung DIE BRÜCKE, die ihrerseits seit Anfang der 90er Jahre berufliche REHA-Maßnahmen für psychisch erkrankte Menschen anbietet. Teilgenommen haben Experten aus verschiedenen REHA-Einrichtungen in Lübeck und Umgebung sowie Vertreter der Leistungsträger Deutsche Rentenversicherung, Arbeitsagentur und Jobcenter.

Es stimmt: Arbeit kann krank machen. Das gilt besonders bei Streß, hoher Arbeitsverdichtung, Überforderung, Mobbing, Burnout oder anderen negativen Faktoren. Aber: Arbeit hat auch einen wichtigen Stellenwert bei der Gesunderhaltung durch ein Betriebliches Gesundheitsmanagement für alle Beschäftigten sowie im Genesungsprozess. Das gilt besonders für die wachsende Zahl der Menschen mit einer psychischen Erkrankung. Denn eine adäquate und anerkannte berufliche Tätigkeit fördert die Tagesstruktur, hebt das Selbstwertgefühl und die Anerkennung. Zudem: eine geregelte berufliche Tätigkeit trägt zur Teilhabe am „normalen“ Leben bei und hilft Betroffenen bei der Führung eines selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Lebens.

Mehrere Untersuchungen zeigen, dass Menschen mit einer psychischen Erkrankung deutlich häufiger arbeitslos oder gar berentet sind. Von den aktuell fast 10.000 Arbeitslosen in Lübeck (1. Quartal 2017) sind rd. 7.500 langzeitarbeitslos. In dieser Gruppe finden sich viele Menschen mit „Vermittlungshemmnissen“, zu denen vor allem auch psychische Erkrankungen gehören. Bei rd. 2/3 aller Langzeitarbeitslosen spielen auch psychische Auffälligkeiten eine Rolle. Man geht jedoch bei der Arbeitsagentur davon aus, dass 52 % der psychisch erkrankten Arbeitslosen wieder arbeiten wollen und unter geeigneten Bedingungen auch dem ersten Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung stehen können.

Führte durch die Fachtagung: BRÜCKE-Geschäftsführer Frank Nüsse

Führte durch die Fachtagung: BRÜCKE-Geschäftsführer Frank Nüsse

Doch was sind die geeigneten Rahmenbedingungen? – „Es gibt nicht den einen ‚richtigen Weg‘ für alle Betroffenen zurück ins Arbeitsleben“, stellte Frank Nüsse, Geschäftsführer der BRÜCKE in seinem Vortrag fest. „Jeder Mensch mit psychischen Einschränkungen geht einen individuellen Weg zurück in die Arbeit.“ Die BRÜCKE hat deshalb in langer Erfahrung ein abgestimmtes Konzept mit REHA-Angeboten für unterschiedliche Phasen der Genesung entwickelt. Das reicht von der Behandlung im akuten Krankheitsfall über medizinische REHA-Angebote bis hin zu Maßnahmen der Berufsvorbereitung, wie z.B. der Ergotherapie, der Arbeitsdiagnostik und des Arbeitstrainings. Auch die Begleitung bei Bewerbungen oder zurück an einen geeigneten Arbeitsplatz gehört dazu. „Hier spielen Berufspraktika eine große Rolle“, so Frank Nüsse, „und wir sind froh und für die Betroffenen dankbar, dass Lübecker Unternehmen mit Praktika-Angeboten so offen für psychisch Erkrankte sind, um sie auf dem Weg zurück ins Arbeitsleben zu unterstützen.“

Berufsverbände (z.B. DGPPN) betonen immer wieder, dass es aufgrund wachsender Zahlen bei den psychischen Erkrankungen einen dringenden Handlungsbedarf gibt, um betroffene Menschen zu unterstützen und wieder in den Arbeitsprozess zu bringen. Hierbei – so zeigte die Tagung – müssen auch innovative Wege gegangen werden. „Begleitete Beschäftigung“ und „First Place then Train“ sind die Stichworte, die arbeitswillige Menschen und Arbeitgeber noch besser zusammenbringen sollen. Denn nicht nur betroffen Menschen, sondern auch Unternehmen haben in Zeiten des Fachkräftemangels ein verstärktes Interesse an der Reintegration psychisch Erkrankter in die Arbeitswelt.

Die Tagung hat nicht nur einen Überblick über die verschiedenen aufeinander abgestimmten REHA-Angebote ergeben. „Transparenz, Vernetzung, das Wissen um Angebote und eine intensive Zusammenarbeit helfen betroffenen Menschen, ihren individuellen Weg zurück ins Arbeitsleben zu finden. Die BRÜCKE als Leistungsanbieter und die Leistungsträger der REHA-Maßnahmen, wie z.B. die Deutsche Rentenversicherung, die Arbeitsagentur und das Jobcenter, gehen hier gemeinsame Wege“, fasste Frank Nüsse ein wesentliches Ergebnis der Tagung zusammen.

Vom Team der BRÜCKE: Dr. Dietmar Steege (Bereichsleiter Behandlung und REHA), Sabine Schmidt-Glasneck (Leiterin AVISTA) und Tilman Schomerus (Bereichsleiter Arbeit). Mit einem T-Shirt von Radio Sonnengrau. Der Lübecker Internet-Radiosender berichtete kürzlich über REHA-Angebote für psychisch Erkrankte.

Vom Team der BRÜCKE: Dr. Dietmar Steege (Bereichsleiter Behandlung und REHA), Sabine Schmidt-Glasneck (Leiterin AVISTA) und Tilman Schomerus (Bereichsleiter Arbeit). Mit einem T-Shirt von Radio Sonnengrau. Der Lübecker Internet-Radiosender berichtete kürzlich über REHA-Angebote für psychisch Erkrankte.

Die Tagung fand in der BRÜCKE-Einrichtung AVISTA statt. Dieses REHA-Angebot hat Anfang 2017 neben anderen Einrichtungen ihren neuen Standort im ehemaligen Gebäude der Stadtwerke in der Moislinger Allee 9a bezogen. Hier gibt es auch regelmäßig an jedem ersten Freitag im Monat von 9.30 bis 11.00 Uhr eine offene Informationsveranstaltung für alle Interessierten.

Mehr Information im Bereich „Behandlung und REHA“ unter: www.diebruecke-luebeck.de

 

Für weitere Information finden Sie hier die Vortragsfolien der Fachtagung.