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„Die barrierefreie Stadt bauen“ – An Barrierefreiheit für psychisch Kranke fehlt es in Lübeck noch

Für psychisch beeinträchtigte Menschen gibt es viele Barrieren im öffentlichen Leben, die es eigentlich laut der UN-Behindertenrechtskonvention und den deutschen Sozialgesetzbüchern so nicht geben dürfte. Das „Behinderten-Gleichstellungsgesetz“ stellt Menschen mit körperlichen Funktionseinschränkungen und solche mit seelischen Beeinträchtigungen zwar gleich. Allerdings fehlt ein Bewusstsein über Barrieren für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in Politik und Öffentlichkeit noch weitgehend.

Frank Nüsse, Geschäftsführer der BRÜCKE gGmbH, begrüßte die Teilnehmer des Workshops

Frank Nüsse, Geschäftsführer der BRÜCKE gGmbH, begrüßte die Teilnehmer des Workshops

„Barrierefreiheit“ – darunter verstehen viele Menschen, wenn ein Eingang ohne Stufen und Hindernisse auch für Rollstuhlfahrer passierbar und eine Behindertentoilette vorhanden ist. Doch Barrieren für psychisch erkrankte Menschen kann man nicht sehen und darum sind sie so schwer erkennbar. Von einer Vielzahl an Barrieren im öffentlichen Leben berichteten auch Teilnehmer einer gut besuchten Veranstaltung der BRÜCKE über „Barrierefreiheit für psychisch kranke Menschen“, die am 24. Februar in Lübeck stattfand.

Der BRÜCKE-Workshop zum Thema "Barrierefreiheit für psychisch kranke Menschen" war mit rund 50 Teilnehmern aus Sozial- und Gesundheitsbereichen gut besucht

Der BRÜCKE-Workshop zum Thema „Barrierefreiheit für psychisch kranke Menschen“ war mit rund 50 Teilnehmern aus Sozial- und Gesundheitsbereichen gut besucht

Es sind vor allem Kontakt- und Kommunikationsbarrieren, die hier zu schaffen machen. Unsichtbare Barrieren auf Ämtern und Behörden behindern oft den „Zugang auf Augenhöhe“, wenn psychisch Kranke ihre Angelegenheiten auf dem Amt regeln müssen. Manchen Betroffenen ist es aus gesundheitlichen Gründen manchmal nicht möglich, das Haus zu verlassen oder einen Ämtertermin einzuhalten – oft gefolgt von Sanktionen wie z.B. Leistungskürzungen.

Dominante Barrieren wie Stigmatisierung, aber auch „Schubladendenken“ oder mangelndes Wissen der Gesellschaft über psychische Krankheiten verhindern oft den Zugang der Betroffenen zu einem „normalen“ Alltagsleben. In der Veranstaltung gefordert wurden mehr niedrigschwellige, leicht zugängliche und flexible Hilfen, um Barrieren abzubauen und eine Ausgrenzung zu verhindern. Dazu gehören auch Hilfen im Arbeitsleben, mehr Wissen über psychische Erkrankungen und deren mögliche Folgen sowie eine Verkürzung der Wartezeit für Hilfen.

Wollen auch zukünftig Barrieren für psychisch kranke Menschen abbauen: Organisatoren und Teilnehmer des BRÜCKE-Workshops. Von links: Ulrike Tietz (Sozialpsychiatrischer Dienst im Gesundheitsamt deer Hansestadt Lübeck), Sissy Wiedemann (AG Inklusion der BRÜCKE), Ingo Ulzhöfer (EX-IN Schleswig-Holstein), Dr. Michael Konrad (Vorstandsmitglied im Dachverband Gemeindepsychiatrie), Kathrin Roßberg (Brücke Lübeck), Julia Kilchenstein (BRÜCKE Lübeck) und Erika Bade (Behindertenbeauftragte der Hansestadt Lübeck).

Wollen auch zukünftig Barrieren für psychisch kranke Menschen abbauen: Organisatoren und Teilnehmer des BRÜCKE-Workshops. Von links: Ulrike Tietz (Sozialpsychiatrischer Dienst im Gesundheitsamt der Hansestadt Lübeck), Sissy Wiedemann (AG Inklusion der BRÜCKE), Ingo Ulzhöfer (EX-IN Schleswig-Holstein), Dr. Michael Konrad (Vorstandsmitglied im Dachverband Gemeindepsychiatrie), Kathrin Roßberg (Bereichsleiterin bei der BRÜCKE Lübeck), Julia Kilchenstein (Ambulant Betreutes Wohnen der BRÜCKE Lübeck) und Erika Bade (Behindertenbeauftragte der Hansestadt Lübeck).

Um die „barrierefreie Stadt zu bauen“ wollen sich viele Teilnehmer der Veranstaltung und die BRÜCKE weiter engagieren. Zum Beispiel geht es um mehr Information und Aufklärung, um den Dialog mit der Stadt und der Politik sowie um die Kooperation mit Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitswesen. Die BRÜCKE wird die Aktivitäten zum Abbau von Barrieren für psychisch erkrankte Menschen weiterhin unterstützen.

Die Veranstaltung „Barrierefreiheit für psychisch kranke Menschen“ wurde von der „Gemeinnützigen Sparkassenstiftung zu Lübeck“ gefördert. Damit war es der „Inklusions-Arbeitsgruppe“ der BRÜCKE Lübeck möglich, dieses wichtige Thema in einer Fachveranstaltung mit viel Beteiligung von Psychiatrie-Erfahrenen aufzugreifen.

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Die BRÜCKE bedankt sich herzlich bei der Stiftung für die Förderung der Veranstaltung.